21
Oct
Retail

Smarte Einkaufswagen verbessern die Customer Journey

Digitale Pfandschlösser können weit mehr als nur Einkaufswagen entsperren

Ihre Grundfunktion ist denkbar einfach: Münz-Pfandschlösser sorgen für Ordnung im Laden, da der Einkäufer den Wagen zur vorgesehenen Abstellbox selbstständig zurückbringt. Digitale Pfandschlösser können das über digitale Belohnungssysteme ebenfalls und sogar noch weit mehr. Stichworte sind Kundenbindung, Customer Journey, Big Data.

Der Einkaufswagen, genauer genommen das Pfandschloss, bildet am Store den ersten direkten Kontakt zu der überwiegenden Mehrheit der Einkäufer. Es ist folglich nur konsequent, diesen Prozess funktional in die Customer Journey einzubauen und anschließend den Einkaufswagen als wichtigsten Marktbegleiter der Customer zu nutzen. Wie das funktionieren kann, erklärt Niklas Kiechle, Project Manager Digital Solutions bei Wanzl – die Leipheimer Retail-Spezialisten haben bereits ein rein digitales Pfandschloss gemeinsam mit JustTec, einem Münchner Entwicklungsunternehmen für digitale Schließ- und Trackingsysteme, entwickelt: „Im Fokus stehen digital-affine Customer. Die Grundfunktion, das Entsperren, erfolgt über eine App und per NFC (Near Field Communication). Wir haben unser System bewusst als offenen Baustein konzipiert, um ihn in 3rd-Party-Apps, z. B. von Retailern oder Bonusprogrammanbietern wie Payback und DeutschlandCard, integrieren zu können. Allein durch diese Integration werden die Apps unserer Partner deutlich aufgewertet, da den Usern eine weitere, für den Einkauf essentielle Funktion digital angeboten werden kann. Wir erwarten, dass dadurch die User-Zahl der jeweiligen 3rd-Party-Apps deutlich ansteigt. Mehr User bedeuten mehr Bekanntheit und in der Regel auch eine höhere Kundentreue.“

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Zusätzlich entsteht durch die Installation eines Cloud-Connectors ein ‚Ökosystem Digitales Pfandschloss‘, das über IoT-gängige Protokolle eine durchgehende Kommunikation zwischen allen Parteien und Assets aufbaut. Retailer erreichen ihre Kunden damit schon vor dem eigentlichen Markteintritt mit passgenauen Angeboten und Bonus-Aktionen über In-App-Werbung. So können die Kosten für Printwerbung reduziert werden. Es geht aber noch einen Schritt weiter. Ist die Anmeldung in der App an eine Registrierung gekoppelt, ist die Einspielung personenbezogener Werbung direkt am POS möglich. Natürlich ist der Klarname des Kunden nicht bekannt und sämtliche Daten sind verschlüsselt. Allerdings ist über die App abbildbar, welche Produkte der App-Inhaber wann und wo in der Regel einkauft. Das ist über 3rd-Party-Apps von Non-Retailern theoretisch sogar Store-unabhängig möglich. Es könnte beispielsweise festgestellt werden, dass dienstags Obst und Gemüse beim Einzelhändler, donnerstags Kosmetikartikel im Drogeriemarkt und samstags Wurst sowie Käse beim Discounter gekauft werden. So oder so bietet sich die Chance, zum idealen Zeitpunkt maßgeschneiderte Werbung über die App zu spielen.

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Retailer erhalten außerdem wichtige Daten für ihr Einkaufswagenmanagement und zum Einkaufsverhalten ihrer Kunden. Denn jeder einzelne Einkaufswagen kann genau getrackt werden. Wo befindet er sich gerade im Markt? Wie oft wurde er benutzt? Wie viele Einkaufswagen sind zu welchem Zeitpunkt im Einsatz? Aus den erhobenen Daten lassen sich Handlungsempfehlungen zur Wartung der Einkaufswagen und der Anzahl der tatsächlich benötigten Einkaufswagen ableiten. Darüber hinaus können die Laufwege und Aufenthaltszeiten der Kunden in den jeweiligen Marktbereichen innerhalb des kompletten Stores exakt und in Echtzeit nachverfolgt werden. Entsprechend lassen sich mittelfristig Rückschlüsse für die Optimierung des Warenangebots, von Marketing-Aktionen oder der generellen Gestaltung des Stores ziehen. Zudem kann auf übliche Stoßzeiten genauso wie auf sich ad-hoc bildende Ansammlungen reagiert werden, was zu einem optimierten Personaleinsatz und der Vermeidung von langen Warteschlangen an den Kassen führt.

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Als übergeordnete Schaltzentrale fungiert Wanzl Connect®: Store Management, Inventory Monitoring, Analytics und Recommendation können vollständig über die softwarebasierte Plattform gesteuert werden. Dafür laufen sämtliche im Store gewonnenen Daten bei Wanzl Connect® zusammen und können über ein Smart Device dargestellt, analysiert und ausgewertet werden – so auch die Daten der digitalen Pfandschlösser. Dabei ist Wanzl Connect® offen programmiert, sodass digitale Produkte von weiteren Anbietern ebenso zu integrieren sind. „Generell schreitet die Digitalisierung im Einzelhandel zwar mit großen Schritten voran, aber gerade in Deutschland dauert die vollständige Transformation sicherlich noch einige Zeit. Daher arbeiten wir beim Einkaufswagenschloss bereits intensiv an einer Hybridlösung aus konventionellem Münz- und digitalem Pfandschloss, damit unsere Retail-Kunden möglichst alle Customer-Typen mit ein und demselben Einkaufswagen zufriedenstellen können. Einkaufswagen werden zudem eine deutliche Wertsteigerung durch zusätzliche Funktionalitäten wie Scanner, Tablets oder Waagen erfahren“, fasst Niklas Kiechle zusammen.

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